Die Disziplinen einer Dolmetscherin und warum ich mich manchmal wie eine Triathletin fühle

Sportarten wie Triathlon, Sieben- oder Zehnkampf und Biathlon haben mich schon immer fasziniert.

Als Dolmetscherin ziehe ich gewisse Parallelen zwischen diesen Mehrkampfdisziplinen und meinem Beruf: Genau wie beim Sport ist regelmäßiges Training das Um und Auf, ich brauche sowohl Ausdauer als auch Konzentration und muss in der Lage sein, auch in stressigen Situationen meine Bestleistung abzurufen. Warum ich von Mehrkampf spreche? Es gibt verschiedene Dolmetschdisziplinen, jede birgt individuelle Herausforderungen, erfordert andere Fähigkeiten und individuelles Training.

Hier also die einzelnen Modi und ihre Anforderungen im Detail:

 

Dolmetschkabinen
Dolmetschkabinen

Simultandolmetschen

 

Beim Simultandolmetschen sitzen die Dolmetscher_innen in einer Dolmetschkabine und hören die Redner_innen über Kopfhörer. Das Gehörte wird dann in der Zielsprache wiedergegeben und via Mikrophon und Kopfhörer an das Publikum übertragen. Wie schon in meinem letzten Beitrag erwähnt, arbeiten Simultandolmetscher_innen immer im Team und können sich so regelmäßig abwechseln und gegenseitig helfen. Zuhören, das Gehörte im Kopf in die jeweilige Sprache übertragen und wiedergeben (und das alles innerhalb von Sekunden) erfordert viel Konzentration. Je nachdem wie geübt man ist, wie schnell und worüber die Redner_innen sprechen und wie die Rahmenbedingungen sind (Kabine, Tonqualität) wechselt man sich nach ca. 15-45 Minuten ab.

 

Flüsterdolmetschen mit einer Personenführungsanlage
Flüsterdolmetschen mit einer Personenführungsanlage

Flüsterdolmetschen – Chuchotage

 

Eine Form des Simultandolmetschens ohne Kabine. Bei dieser Art des Dolmetschens sitzen die Dolmetscher_innen hinter den Personen und flüstern ihnen ins Ohr. Diese Technik ist für maximal zwei Personen geeignet und erfordert höchste Konzentration. Da man mit im Publikum sitzt entstehen natürlich Störfaktoren, außerdem ist Flüstern nach einiger Zeit sehr belastend für die Stimme.

 

Manchmal ist das Aufstellen einer Dolmetschkabine nicht möglich, weil z.B. ein Rundgang geplant ist oder der Veranstaltungsort nicht über die technische Ausstattung verfügt. In diesem Fall kann mit einer Personenführungsanlage gearbeitet werden – ganz im Stile von Reiseleiter_innen und Stadtführer_innen. Diese Art des Flüsterdolmetschens eignet sich für mehr Zuhörer_innen als das Flüsterdolmetschen ohne technische Ausstattung.

Notizen beim Konsekutivdolmetschen
Notizen beim Konsekutivdolmetschen

Konsekutivdolmetschen

 

Beim Konsekutivdolmetschen steht oder sitzt der /die Dolmetscher_in neben dem/der Redner_in und macht sich mithilfe einer eigenen Notizentechnik Aufzeichnungen. Nach einem maximal fünfminütigen Abschnitt wird das Gesagte in der Zielsprache wiedergegeben. Kurze Abschnitte sind einerseits für den/die Dolmetscher_in angenehmer, da das Konsekutivdolmetschen trotz Notizen hauptsächlich eine Gedächtnisleistung ist, und andererseits auch für das Publikum. Stellten Sie sich vor Sie müssten jemandem 30 Minuten lang in einer Sprache zuhören, die Sie nicht verstehen und müssten bis zum Ende eines Vortrags abwarten, bis gedolmetscht wird. Der gedolmetschte Teil wäre dann umgekehrt für diejenigen eine Geduldsprobe, die das Original schon verstanden haben.

 

Aufgrund des technischen Fortschritts wird diese Art des Dolmetschens mehr und mehr verdrängt, trotzdem gibt es Veranstaltungen die sich gut dafür eignen. Podiumsdiskussionen, Pressekonferenzen und Interviews, kurze Tischreden oder Begrüßungsworte – hier kann Konsekutivdolmetschen eine gute Alternative zum Simultandolmetschen sein. Da beim Konsekutivdolmetschen die Originalrede wiederholt wird, ist diese Art des Dolmetschens hauptsächlich für sehr kurze Wortmeldungen geeignet. Sobald mehrere Sprachen benötigt werden, führt das Konsekutivdolmetschen zu großen Verzögerungen im Zeitplan. 

Gesprächsdolmetschen-Verhandlungsdolmetschen

 

Ähnlich wie beim Konsekutivdolmetschen werden Redeabschnitte, meist einzelne Wortmeldungen zwischen Gesprächspartner_innen, gedolmetscht. Der/die Dolmetscher_in sitzt zwischen den beiden Parteien und überträgt das Gesagte in die jeweils andere Sprache. Hierzu muss der/die Dolmetscher_in in beide Richtungen (also zum Beispiel vom Englischen ins Deutsche und vom Deutschen ins Englische) dolmetschen.

 

Community Interpreting 

 

Hierunter fällt das Dolmetschen im öffentlichen Bereich: bei Behörden, Ämtern, bei Ärzt_innen und im Krankenhaus. Community Interpreter sind keine Konferenzdolmetscher_innen, sie müssen über anderes Fachwissen verfügen und dienen oft als Sprachmittler zwischen Personen und Institutionen. 

 

Danke fürs Lesen! 

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