Goldene Nase oder leere Tasche? Wie viel eine Dolmetscherin verdient...

 

Kaum nenne ich Bekannten den Betrag den ich für einen Tag Dolmetschen verlange, werde ich schon mit einem anerkennenden Schulterklopfen oder einem Kommentar über meine wohl äußerst befriedigende finanzielle Situation belohnt, bevor ich das Wort ABER ausgesprochen habe.

In meinem heutigen Blogartikel möchte ich deshalb etwas Licht ins Dunkel bringen und erklären, wie viel und welche Arbeit hinter einem Tag Dolmetschen eigentlich steckt.  

 

Vor dem Auftrag:

  • Telefonate und E-Mail-Verkehr mit den Auftraggebern oder der Agentur und mit anderen Dolmetscher_innen, die auch vor Ort sein werden
  • Intensive Recherche über die Redner_innen, ihre Tätigkeitsfelder und ihren beruflichen Werdegang
  •  Sichten von Videomaterial, um den Spechstil und die Sprechgeschwindigkeit der Vortragenden kennenzulernen
  • Zur Verfügung gestelltes Vorbereitungsmaterial (Flyer, Programme, Themen) durchgehen
  • Vorbereiten eines Glossars und Lernen der notwendigen Terminologie

Grundsätzich gilt: Je früher der Auftrag vereinbart wurde, desto besser. Besonders die Zeit wenige Tage vor einer Veranstaltung ist meist extrem arbeitsintensiv – zu oft bekommt man wichtige Informationen oder Materialien erst kurz vor dem Arbeitseinsatz.

 

Ein Tag in der Dolmetschkabine:

  • Anreise zum Veranstaltungsort
  • Besprechung mit dem/der Techniker_in & Sound-Check
  • Besprechung mit dem für die Dolmetscher_innen verantwortlichen Teammitglied des Veranstalters

 

Nicht selten erhält man erst hier wichtige Informationen: Zum Beispiel spricht plötzlich jemand anderes, weil ein/e Redner_in ausgefallen ist, es gibt noch wichtige Materialen, die man leider im Vorhinein nicht zur Verfügung gestellt hat, etc.

  •  Dann wird gedolmetscht: Wenn ein Auftrag länger als eine Stunde dauert, arbeitet man immer zu zweit in der Kabine. Dolmetschen erfordert extrem viel Konzentration und man muss sich regelmäßig abwechseln, um eine konstant gute Leistung abrufen zu können. Außerdem ist ein_e Kabinenpartner_in äußerst wichtig, falls man etwas überhört hat oder um auf die Schnelle Fachterminologie zu recherchieren.
  • Nachbesprechung und Heimreise

 

Nach dem Auftrag:

  • Nachbesserung des Glossars für den Fall eines Folgeauftrags
  • Rechnungslegung und Buchhaltung

Man sieht also, im Alltag von Dolmetscher_innen ist das Dolmetschen an sich oft nur ein kleiner Teil. Rechnet man nun all diese Stunden auf den Tagessatz um, ergibt sich schon ein realistischeres Bild.

Doch das ist noch längst nicht alles: Schließlich muss man vom Umsatz auch noch die Steuer abziehen, die Sozialversicherung zahlen und andere Kosten wie Kammerumlage und Tourismusabgabe abdecken... 

 

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